Frauendelegation öffnet Europa und Amerika die Augen

Gulan Botan / JINHA 25.6.16

AMUDÊ (Rojava) – Die Ko-Präsidentin des Demokratischen Rates von Syrien (MSD = Meclîsa Sûriya Demokratik), Ilham Ehmed, hatte im Juni 2016 als Mitglied einer Delegation mehrere Länder Europas und Amerikas besucht. Sie bilanzierte nach ihrer Rückkehr ihre diplomatischen Gespräche in einem Interview mit der Frauen-Nachrichtenagentur JINHA.

Ilham Ehmed hatte schon früher als Vertreterin der Frauenbewegung von Rojava die USA besucht. “Jetzt nach der Bildung des MSD kam ich als dessen Ko-Präsidentin zu Gesprächen auf höchster Ebene. Dabei konnten wir feststellen, wie sehr sich der Blick auf den Nahen Osten inzwischen geändert hat. Vorher hatte man es ja gar nicht für möglich gehalten, dass sich im Nahen Osten etwas ändert. Unsere Gesellschaft galt als zurückgeblieben. Aber mit der Revolution, die Rojava erlebt, hat sich die Sicht völlig geändert. In Rojava hat die Freiheit der Frau ein Niveau erreicht, das sogar höher ist als die Auffassung von Freiheit der Frau in Europa und Amerika. Was die Entschlossenheit und Tatkraft angeht, wie sich der autonome Wille der Frau in Rojava auf dem politischen Feld ausdrückt, das übersteigt das Niveau in besagten Ländern. Immer wieder haben sie uns das zugegeben.”

Ilham erzählt, wie auf einem Treffen ausser den MSD-Vertreterinnen alle anderen Männer waren. “Das machte die Teilnehmer unruhig; sie sahen sich genötigt, eine Erklärung dazu abzugeben. ‘Bitte entschuldigt uns. Wir wollten auch Frauen dabeihaben, aber die Frauen kamen nicht. Diesmal musste es halt ohne gehen.’ Auch in Europa war auf vielen Treffen der Frauenanteil bei der MSD-Delegation am höchsten. ‘Ihr habt sogar den Frauenanteil der norwegischen Delegation übertroffen’, mussten sie zugeben. Wo doch Norwegen das Land in Europa ist, wo nach den Gesetzen die Freiheit der Frau am größten ist. Das zeigt, wie ernsthaft die Veränderungen sind, die der Nahe Osten derzeit erlebt. Ich bin überzeugt: die Veränderungen, welche die kurdische Frau bewirkt, beeinflusste alle Gesellschaften und wird sich auch in Zukunft weiter auswirken.”

Und zwar nicht nur im Nahen Osten, sondern in allen Ländern: “Sexistische Verhaltensweisen laufen durch die Praxis der kurdischen Frau ins Leere. Das ist auch für unsere Gesellschaft ein neuer Zustand. Die vorgefassten Meinungen in der Gesellschaft lösen sich auf, und an ihrer Stelle bilden sich die Auffassungen einer demokratischen Gesellschaft heraus. Das ist Wirklichkeit – aber die kommt in ihren Theorien (der besuchten Länder) nicht vor. Die Frau kann auf höchster Ebene Aufgaben erfüllen, besser als ein Mann, kann ihr Land auf höchster Ebene vertreten, ja kann bei (gesellschaftlichen) Veränderungen und Transformationen die Führungsrolle übernehmen. Indem sie neue Gedanken hervorbringt und mit einem anderen Geist, einfach unbefangener, die Veränderungen und Transformationen realisiert.”

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