Die Ausgebombten von Şırnak: in Zelten, aber kollektiv

JINHA 25.6.16

Am 14. März verhängte die türkische Regierung das Ausgehverbot über die Stadt. Die Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Aber sie kehrten ihrer Heimat nicht den Rücken, sondern liessen sich in Zelten in der Umgebung der Stadt nieder. “Wir haben Zelte errichtet und leisten hier seit 102 Tagen dem Druck der Regierung Widerstand. Wir sind nicht eingeknickt und werden auch künftig nicht nachgeben.

Unsere jungen Leute haben furchtlos wochenlang in den Stadtvierteln bewaffneten Widerstand geleistet, damit wir aufrecht leben können. Da haben wir auch keine Angst mehr. Die Soldaten der Regierung kommen und fordern uns auf, abzuhauen. Vor ein-zwei Tagen kam die Polizei und machte Terror: wenn wir nicht die Zelte verlassen, werden wir mit den Zelten zusammen verbrannt. Aber wir hielten ihnen stand, gaben nicht nach, verliessen die Zelte nicht. Sogar für die Versorgung von Kranken lassen sie niemanden in die Zelte kommen. Sie wollen uns mürbe machen, aber wir halten durch. Den Widerstandsgeist haben wir von unseren Kindern, die in den Strassen von Şırnak gekämpft haben, wochenlang. Sie wollten, dass wir durchhalten, und das tun wir.”

Fehime beschreibt, wie sie zusammen mit den Nachbarn ihr Leben kollektiv organisieren: “Wir sind von niemandem abhängig. Als wir die Zelte aufbauten, hatten wir große Probleme. Von niemandem kam Hilfe. Aber die Leute hielten zusammen und halfen sich selber. Wir haben so eine Ordnung eingerichtet. Mit den Schafen aller Nachbarn hier zusammen gehen wir morgens auf die Weide. Die Milch von ihnen verteilen wir unter uns allen. Wir leben in der Tradition des Dorfes. Unsere einzige Sorge ist das Wasserproblem, aber das lösen wir auch.”

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