Şehba (Nordsyrien): Rettet uns!

Published by ISKU Informationsstelle Kurdistan e.V. on 4. Juli 2016

„Tut was ihr könnt, aber macht es jetzt. Rettet uns.“ Nordsyrien – Erneut kommt es zu Massakern des Islamischen Staates (IS) in Şehba. Im Juli 2013 kam es schon einmal in Şehba, der Region zwischen Minbic und Afrin, zu Massakern. 2013 waren die Gebiete Tel Aran und Tel Hasıl betroffen.

Seit etwa 15 Tagen kommt es nun erneut zu Massakern in Şehba;
diesmal seit der Umzingelung der Stadt Minbic. Betroffen ist vor allem die Region Bab. Bei Angriffen des IS auf etwa 100 kurdische Dörfer der Umgebung von Bab, darunter vor allem die Dörfer Qar Kelbin, Qubbe Şêx, Arap Wêran, Qaibe, Bırç, Bilixa, Sosınbat, Şıpêran, Tel Batal, Kavuklu, Şava, Êreme, Tel Cırcır, Naman, Qıbbesin, Nêrebiyê, Eyyübiyê, Boğaz und Eseliyê sind etwa 1500 Menschen entführt worden, darunter viele Kinder. Mehr als 100 Menschen sollen bereits vom IS ermordet worden sein. In den letzten Tagen sind deshalb 30.000 Menschen aus der Region Bab geflüchtet.

Der Pressesprecher der Ceyş El Suwar, Ahmet Hüso, berichtet: „So weit uns bekannt ist, sind im Dorf Qubbe Şêx 227 Menschen entführt worden. Im Dorf Qebbesin sind es insgesamt 400 Opfer, die entführt oder ermordet wurde. In Arap Wêran sind es 150 Menschen, bei denen der Verbleib unbekannt ist. In Qeibê sind etwa 70 Menschen entführt worden.

Es gibt Leichname, denen fehlt der Kopf; bei anderen fehlt der Rumpf, und es ist nur der Kopf da. Im Dorf Qubbesin wurden 10 Menschen mittels Sprengladung ermordet. Ihre Köpfe flogen in die eine, ihre Körper in die andere Richtung. Im Dorf Tel Eyşi wurde neun Menschen der Hals durchgeschnitten, im Dorf Şıpêranê dreien. Sie holen 50 Personen, sprengen sie in die Luft, lassen alles so liegen und gehen. Im Dorf Susık haben sie 9 Menschen an Bäumen erhängt. Wenn es Nacht wird, flüchten die BewohnerInnen in die Wüste, damit sie denen nicht in die Hände fallen. Die Entführten werden in das Dorf Qıbbesin verschleppt und in der dortigen Schule festgehalten. Einige von denen, die dort festgehalten wurden, mussten in den Dörfern Schützengräben ausheben. Andere wurden zur Hühnerfarm von Bab verbracht. Was dort mit ihnen geschieht, ist unbekannt. Von dort erhalten wir keine Nachricht. In den Dörfern Sosınbat, Qeibe, Arap Wêran und Şıpêran sind mindestens 15 Menschen ermordet worden. Außerdem wird berichtet, dass auf einer Müllhalde in der Nähe des Dorfes Naman 40 Leichname verscharrt worden sein sollen. Um wen es sich bei den Toten handeln könnte, ist unbekannt.

In den letzten drei Monaten haben sich aus der Region ungefähr 27.000 Menschen zu uns (nach Afrin) geflüchtet, 13.000 von ihnen allein in den letzten 17 Tagen. Diese Flüchtlinge haben ihr Leben riskiert, sind in die Wüste gegangen und haben schließlich Ehraz erreicht. Ehraz ist unter Kontrolle der Einheiten der Demokratischen Kräfte Syriens QSD. Wir bringen sie von dort aus nach Kefer Nasih. Von dort aus bringen wir sie, wohin sie es wünschen. Einige wollen nach Idlib, andere nach Azaz oder Afrin. Am Morgen hat der IS eine Gruppe, die zu uns wollte, angegriffen. Ein Vater und drei Kinder sind ermordet, 4 weitere verletzt worden. Man hat uns die Verletzten und die Leichname später gebracht.“

Der Pressesprecher der Ceyş El Suwar, Ahmet Hüso, berichtet von einem Hilferuf der Bevölkerung von Bab: „Tut was ihr könnt, aber macht es jetzt. Rettet uns.“

ANF, 04.07.2016, ISKU

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