Minbij – vor dem IS gerettet

YÖP 15.6.16 Erdoğan Altan, DIHA Minbij:

Die Frauen in den befreiten Dörfern von Minbij erzählen:
“Um unsere Kinder vor Vergewaltigungen durch die IS-Banditen zu schützen, haben wir sie schnell mit nahen Verwandten verheiratet. Seit drei Jahren haben wir in der Hölle gelebt. Alle in der Gegend von Minbij haben in brennender Ungeduld auf die Ankunft der ‘Demokratischen Kräfte Syriens’ gewartet.”

Heute ist der 14. Tag der Offensive des ‘Militärrats Minbij’, die nach dem gefallenen Kommandanten Faysal Ebu Leyla benannt ist. Im Verlauf der Offensive werden dort, wo sich IS-Banditen aufhalten, in gezielten Operationen Zivilisten gerettet und in sichere Orte evakuiert. Das besondere Augenmerk der Freiheitskämpfer gilt den Frauen und Kindern, die ja seit über zwei Jahren den Grausamkeiten des IS ausgessetzt waren und alle möglichen Arten von Folter erlitten haben. Die in Minbij lebenden Volksgruppen, nämlich Araber, Kurden, Turkmenen und Tscherkessen, nennen die am 1. Juni begonnene Befreiungs-Offensive ‘Rückkehr zum Leben’.

Den Frauen machten sie das Leben zur Hölle

Die meisten der Frauen an den sicheren Orten haben ihre Männer oder Verwandte durch Folter verloren. “Uns Frauen machten sie das Leben zur Hölle”, so fassen sie das Erlebte zusammen. Sogar die kleinen Mädchen waren den sexuellen Belästigungen, Vergewaltigungen, Zwängen und Grausamkeiten ausgesetzt. Was die Frauen an sexuellen, rassistischen und gottlosen Misshandlungen aller durch die IS-Banditen in der Gegend erlebt haben, das können sie auch jetzt noch aus Angst nur stockend berichten; aber auch wie sie den Grausamkeiten widerstanden.

Damit sie nicht vergewaltigt werden…

Die 47-jährige N.R.H. berichtet, dass Ehemänner getötet wurden und dass kleine Mädchen von den IS-Banditen entführt wurden: Seit dem Januar 2014 sind sie gekommen, haben die Männer auf alle erdenkliche Weise gefoltert und die Widerständigen ermordet. Auch ihr eigener Ehemann wurde ermordet, sagt N.R.H.: “Dann sind sie in unser Haus gekommen und haben geschrien:’Denkt ja nicht daran zu fliehen, sonst bringen wir euch alle um!’ Ich liess meine kleinen Kinder nicht aus dem Haus gehen, um sie vor ihnen zu schützen. Vor allem meine 13-jährige Tochter – wie sollte ich die nur schützen? Denn wir haben gehört und wissen, dass die IS-Banditen die Mädchen und jungen Frauen als ‘Konkubinen’ mitnehmen und immer wieder vergewaltigen. Erst vor wenigen Monaten erfuhr ich, dass sie meinen Mann getötet hatten. Ich hatte mich nicht einmal aus dem Haus gewagt, um nach ihm zu suchen.” Sie kann das Erlebte nicht in Worte fassen; die Grausamkeiten sind unbeschreiblich.

Dann fährt N.R.H. fort: “Wir als Frauen waren gezwungen, die 12 bis 13 – jährigen Mädchen und die jungen Frauen mit unseren engsten Verwandten zu verheiraten, damit sie nicht von den IS-Banditen vergewaltigt werden. Und trotzdem konnten wir sie nicht vor den Zwangsmassnahmen der IS-Banditen retten. Schliesslich hatten wir von diesen Zwängen und Scheusslichkeiten so die Nase voll, dass wir einige von ihnen töteten. Als sie das erfuhren, fragten sie, wer getötet hätte, und drohten, dass wir diese Sünde bitter bereuen werden. Wir sagten, die hätten sich selber im Streit mit Messern und Kugeln getötet. Wir sagten uns, vielleicht schämen sie sich dann und verzichten auf Strafe. Aber dem war nicht so. Immerhin haben wir gegen diese Grausamkeiten, von denen ich berichtet habe und auch von denen ich nicht erzählen kann, auch Widerstand geleistet, und wenn wir nur wenig tun konnten. Auch wenn ich nie vergessen kann, wie die IS-Banditen gewütet haben bei uns, so freue ich mich doch, dass ich jetzt frei bin und auf freiem Gebiet leben kann.”

Eine der Frauen, die ebenfalls ihre Freude zum Ausdruck bringt, dass sie jetzt vor den Grausamkeiten der IS-Banditen gerettet leben kann, die aber ihren Namen nicht nennen will, erzählt, dass die jungen Frauen von den Banditen als ‘”Sex-Sklavinnen” benutzt wurden. Sie zeigt auf die jungen Frauen im befreiten Gebiet. “Was diese Frauen durchmachen mussten, das wissen nur ich und Allah. Was die Banditen gemacht haben, dafür gibt es keine Worte in der Moral, in den Büchern, im Krieg und im Glauben.”

Sie haben die Volksgruppen gegeneinander aufgehetzt

Eine andere Frau berichtet über die Zwangssituationen, dass sie tagelang sich nicht aus dem Hause trauten und deshalb Hunger litten. “Wie soll ich das ausdrücken? Die drei Jahre waren die reinste Hölle. Bevor die IS-Banditen kamen, lebten wir Kurden, Araber, Turkmenen, Tscherkessen, alle, wie wenn wir Verwandte wären: wir führten ein gemeinsames Leben. Aber als sie kamen, da fing es an: ‘Diese Familie hat der YPG geholfen, jene Familie hat dem (Assad-)Regime geholfen’; die Leute wurden verhaftet, gefoltert und ermordet, die Volksgruppen misstrauten einander, wurden zu Feinden. Alle, die in Minbij leben, haben in brennender Ungeduld darauf gewartet, dass die ‘Demokratischen Kräfte Syriens’ sie retten. Jetzt sind wir sehr glücklich, dass wir gerettet sind.”

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