Gire Spi (Rojava): Demokratische Autonomie

YÖP 22/23/24. März 2016 Dengir Güneş

Die Stadt Gire Spi (Tell Abyad auf arabisch: weißer Hügel) liegt wie Kobane direkt an der türkischen Grenze, im Schnittpunkt zwischen Rakka – Urfa und Kobane – Serekaniye. Die Stadt zählt ca. 50 000 Einwohner, überwiegend Araber und Kurden, aber auch Turkmenen, Assyrer und Armenier. Sie ist erst am 15. Juni 2015 vom IS (Islamischen Staat) befreit worden. Seither wird sie in demokratischer Autonomie selbstverwaltet.

Für die Bewohner ist das eine Revolution, wie sie die Journalistin Dengir Güneş in einem aufschlussreichen Bericht wiedergibt.

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Mersin: Schuhputzerkollektiv gegründet

Published by ISKU Informationsstelle Kurdistan e.V. on 28. März 2016

5 Schuhputzer haben sich in Mersin zusammen getan und arbeiten jetzt – wie sie es nennen – als Kommune, d. h. kollektiv. „Wir arbeiten nicht mehr vereinzelt, sondern zusammen. Wir sind solidarisch mit dem Widerstand der Selbstverwaltungen und geben täglich einen Teil von dem, was wir erwirtschaftet haben, an sie ab“, so die Fünf. „Mersin: Schuhputzerkollektiv gegründet“ weiterlesen

Gewalt in der Kurdischen Revolution

Ingo 22.3.16 Diskussionsbeitrag

Die Aktualität drängt uns das Thema auf. Zwei Pole:
– Einerseits das Ziel, die “kurdische Frage” durch Demokratisierung der Türkei zu lösen. Materialisiert im Projekt HDP: Einer Partei, die den Anspruch trägt, für die ganze Türkei durch Selbstverwaltung und Basis-Demokratie alle Minderheitenfragen zu lösen. Die Wahlen Juni 2015 zeigten, dass dieses Projekt über die kurdischen “Stammwähler” hinaus Glaubwürdigkeit in anderen Schichten gewann: Alewiten, Intellektuelle, Feministen, Schwule, …
– Andrerseits „Gewalt in der Kurdischen Revolution“ weiterlesen

310 Zivilisten getötet

YÖP 23.3.16:
Die türkische Menschenrechts-Stiftung TIHV veröffentlichte gestern vorläufige Zahlen.
Demnach sind in der Zeit der “Ausgehverbote” in kurdischen Städten vom 16. August 2015 bis zum 18. März 2016 mindestens 310 Zivilisten getötet worden. Unter den Getöteten sind 72 Kinder (unter 18), 62 Frauen und 29 über-60-Jährige. Die Orte:
Cizre 183, Silopi 29, Diyarbakır-Sur 24, Nusaybin 20, Silvan 15, Idil 15, Bismil 8, Dargeçit 5, Yüksekova 5, Varto 4, Diyarbakır-Bağlar 2.

Start zum Grossangriff

ANF 13.3.2016 Start zum Grossangriff auf Nusaybin, Sirnak und Yüksekova
Für Yüksekova gilt heute ab 22 Uhr, für Nusaybin ab 24 Uhr das Ausgehverbot. Seit Wochen gehen die türkischen Streitkräfte in Stellung und beschiessen punktuell die selbstverwalteten und selbstverteidigten Stadtviertel. Vor zwei Tagen hat der türkische Innenminister eine entsprechende Ankündigung gemacht, und jetzt wird mit der Ausrufung des Ausgehverbots der Generalangriff erwartet.

ÜBER DIE TÜRKEIPOLITIK DER EU – DIE ROLLE DER BRD

Murat Çakır

Just in den Tagen, in denen vor den Augen der Weltöffentlichkeit kurdische Ortschaften von türkischem Militär und Spezialeinheiten der Polizei umlagert, dem Erdboden gleichgemacht, Zivilist*innen – vor allem Kinder und Frauen – auf offener Straße hingerichtet wurden und der schmutzige Krieg der Herrschenden in der Türkei eine neue Eskalationsstufe erreichte, fanden in Berlin und Brüssel zwei wichtige Ereignisse statt.

In Berlin war es eine Premiere: Erstmals fanden deutsch-türkische Regierungskonsultationen statt. Bundeskanzlerin Merkel empfing ihren türkischen Kollegen Davutoğlu mit allen militärischen Ehren und sie ließen ihre Minister*innen zusammenkommen. Offensichtlich war es der Bundesregierung, die derzeit in der Flüchtlingsfrage unter Druck steht, wichtig, die besondere »Wertschätzung« gegenüber der Türkei öffentlichkeitswirksam hervorzuheben. Zwar warfen gehässige Mäuler der Bundeskanzlerin vor, sie würde »einen schmutzigen Deal« eingehen, der einem »Kniefall vor dem Despoten Erdoğan« gleiche, aber in den bürgerlichen Medien fanden die »Konsultationen« weitgehend ein positives Echo. Immerhin wird von der Türkei erwartet, dass sie zukünftigen Flüchtlingsströmen einen Riegel vorschiebt und somit Europa von dem Druck der »Verdammten dieser Erde« befreit. Das ist der EU mindestens 3,5 Mrd. Euro sowie wohlwollende politische Unterstützung wert. „ÜBER DIE TÜRKEIPOLITIK DER EU – DIE ROLLE DER BRD“ weiterlesen

Serkeftin! War Cizre wie Rojava?

Published by ISKU on 1. März 2016

von ARZU DEMİR

Als ich Mehmet Tunç und Asya Yüksel, die beiden Co-Vorsitzenden des Volksrates von Cizîr (Cizre), zum ersten Mal begegnete, war Cizîr noch nicht so zerstört, die Menschlichkeit noch nicht so mit Füßen getreten worden. Es war noch nicht so mit Blut getränkt, die Schande noch nicht so unermesslich.

Es gab schon Schutzwälle in Stadtteilen von Cizîr. Aber auf ihnen lag kein Blut, Sie waren da, aber um sie rum war auch das Leben, der Alltag  von Cizîr.

Die Wintersonne schien auf die Straßen, die Läden waren geöffnet, Frauen saßen vor den Häusern ins Gespräch vertieft, Kinder spielten bei den Schutzwällen Fußball. Wenn man an den Häusern vorbei ging, konnte man den Duft von frisch gebackenem Brot vernehmen.

Während die Schäden der vorherigen Blockade (des türkischen Militärs) repariert wurden, standen die Jugendlichen bereit zur Verteidigung. Damals schrieb ich: „In Cizîr ist Leben“. „Serkeftin! War Cizre wie Rojava?“ weiterlesen

Augenzeugin berichtet, was mit den Menschen in den Kellern von Cizîr geschah

Angriffe auf Girê Spî und die Verstrickung der Türkei mit dem IS

In der Nacht von Freitag, dem 26. auf Samstag, den 27. Februar kam es zu mehreren großen Angriffen des IS auf die von der YPG und YPJ verteidigten Stadt Girê Spî (Tal Abyad). Die Stadt liegt nördlich von der Hauptstadt des IS, Rakka. Laut Augenzeugenberichten fanden die IS-Angreifer Zugang zu Girê Spî über Wege, die ihnen das türkische Militär öffnete. Türkische Soldaten unterstützten den Angriff des IS, indem sie Stellungen der YPG und SDF sowie Dörfer südlich von Girê Spî mit schwerer Artillerie beschossen. Weiteren Berichten zu folge, stationierten die Türkei Panzer in der Grenzregion. Der IS greift die Stadt aus zwei Richtungen an: So kamen mehrere Angriffswellen aus Richtung Süden, auch aus der Türkei kam es zu Angriffen des IS. Ein Hauptziel war das Krankenhaus in der Stadt. „Angriffe auf Girê Spî und die Verstrickung der Türkei mit dem IS“ weiterlesen