ANF 7/9.2.16 Afrin: Revolutionäre Flüchtlingspolitik

Die Gegend von Afrin (mit dem gleichnamigen Hauptort) bildet mit 800.000 Einwohnern (davon die Hälfte im Krieg Zugewanderte) den kleinsten der drei autonomen Kantone von Rojava, dem nördlichen, hauptsächlich von Kurden bewohnten Streifen Syriens. Seit Anfang Februar bombardieren die Russen für Assad die Umgebung von Aleppo. Zehntausende sind auf der Flucht. Wohin? Die türkische Grenze ist 60 km entfernt – aber geschlossen. Also fliehen viele nach Afrin: 30.000 zählte man in den letzten beiden Wochen. Dabei steht dieser Kanton unter dem Embargo der Türkei und der islamistischen Al Nusra und Ahar-El-Sham.

Die “Regierung” des Kantons befasste sich auf ihrer wöchentlichen Sitzung am 6. Februar als Erstes mit dem Flüchtlingsproblem. Die “Minister” waren sich einig, dass für die Bedürfnisse der aus dem Norden Geflohenen alle Kräfte gebündelt werden müssen. “Die Zehntausende werden bestens empfangen; wir teilen unser Brot mit ihnen!” Die Ministerin für Gemeinschaftsaufgaben, Erifa Bekir: “Wir setzen alles dran, unsere geflohenen Landsleute in absoluter Selbstlosigkeit zu unterstützen.”

Bis zum 9. Februar waren 30.000 Fliehende in Afrin angekommen. Die Behörden und Einwohner machen “fiebrige Anstengungen”, um sie zu versorgen und im Hauptort Afrin, im Lager Rubar und in den ländlichen Distrikten unterzubringen. Alle werden reingelassen. Es gibt keine ‘”Obergrenzen” – obwohl der Kanton bereits Hunderttausende aus anderen Gegenden Syriens in den letzten 4 Jahren aufgernommen hat. Zur besseren Versorgung werden die Kinder nach ihrem Alter gesondert erfasst: unter 3 Jahren, von 3 bis 7 und von 7 bis 15 Jahren – und welche Kinder behindert sind.

Die Neuankömmlinge haben die gleichen Rechte wie alle. Es gibt keine rassistischen Schikanen wie in den Ländern, wo die “westlichen Werte” gelten (Arbeitsverbot, Residenzpflicht, Asylverfahren…). Sondern muttersprachlichen Unterricht für die Kinder, Förderung und freie Ausübung der mitgebrachten Religion, Kultur und Sprache… Die Einwanderer werden nicht zunächst entmündigt wie bei uns, sondern angeregt, sich selbst zu organisieren und sich selbst zu verwalten, wie die Alteingesessenen.

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